Neue Hundeschutzverordnung

Tierschutz-Hundeverordnung: Die Änderungen 2022

Die sogenannte Tierschutz-Hundeverordnung (TierSchHuV) der Bundesregierung schreibt Hundehaltern und Züchtern vor, welche Bedingungen bei der Hundehaltung und der Hundezucht erfüllt sein müssen. Seit dem 1. Januar 2022 gelten nun einige Änderungen in der Tierschutz-Hundeverordnung – mit teilweise weitreichenden Folgen.

Die nun in Kraft tretenden Anpassungen der Tierschutz-Hundeverordnung haben zum Ziel, die Situation einiger Hunde in Deutschland zu verbessern: Sie betreffen daher vor allem

  • die Zucht von Hunden,
  • die Haltung von Hunden unter bestimmten Bedingungen (v. a. Zwingerhaltung und Anbindehaltung),
  • den Transport von Hunden sowie
  • Hundetraining und Hundeausbildung.

Hundezucht: Das ändert sich

Hunderassen, die als sogenannte “Qualzuchten” gelten, unterliegen inzwischen einem Ausstellungsverbot: Sie dürfen künftig also nicht mehr auf Ausstellungen, Hundesportevents oder sonstigen Veranstaltungen vorgeführt oder beurteilt werden. Auf diese Weise soll ein Umdenken gefördert werden, damit nicht länger bestimmte kontrovers diskutierte rassetypische Erscheinungsmerkmale (Qualzuchtmerkmale) der Züchtungen über die Gesundheit der betroffenen Hunde gestellt werden. Das sei lt. Verordnung beispielsweise der Fall, wenn dadurch

  • Körperteile Schaden nehmen,
  • Verhaltensstörungen auftreten,
  • Hunde nicht mehr artgerecht mit ihren Artgenossen umgehen können oder
  • unter Schmerzen leiden.

Daneben gelten nun strengere Bestimmungen bei der Aufzucht von Hunden, beispielsweise hinsichtlich der Geburt und Betreuung von Welpen:

  • Ab einem Alter von 5 Wochen müssen die Welpen täglich mindestens einmal sicheren Auslauf im Freien haben.
  • Gewerbliche Züchter müssen künftig dafür sorgen, dass eine Betreuungsperson nicht mehr als 3 Würfe mit maximal je 5 Hunden gleichzeitig betreut.
  • Sowohl gewerbliche als auch private Züchter müssen dafür sorgen, dass jeder Welpe täglich mindestens 4 Stunden beschäftigt wird (bis zu einem Alter von 20 Wochen), damit er sich an das Miteinander gewöhnen kann.

Haltung von Hunden

Zum Schutz von Hunden, die draußen oder im Zwinger gehalten werden, wurden folgende Anforderungen erlassen:

  • Hunde müssen regelmäßig Kontakt zu Artgenossen pflegen können.
  • Im Zwinger oder anderen Räumlichkeiten, die nicht für den Menschen ausgelegt sind, muss der Hund ausreichend Platz haben:
  • bei einer Widerristhöhe bis 50 cm: 6 m²
  • Widerristhöhe 50–65 cm: 8 m²
  • Widerristhöhe ab 65 cm: 10 m²

Außerdem muss der Hund freie Sicht aus dem Zwinger heraus haben und außerhalb des Zwingers Auslauf genießen können.

  • Zwinger oder andere nicht beheizbare Räume müssen mit einer Schutzhütte ausgestattet sein, in der die Tiere vor Kälte und Zugluft geschützt sind. Darüber hinaus sollen die Hunde einen weichen, gedämmten Liegebereich zur Verfügung haben.
  • Insbesondere Herdenschutzhunde, die im Freien gehalten werden, müssen sich geschützt zurückziehen können. Es muss außerdem sichergestellt sein, dass sie 6 m Abstand zu Stromzäunen halten können.

Transport von Hunden

Auch in der Tierschutz-Transportverordnung treten mit dem 1. Januar 2022 Änderungen in Kraft, die auch den Transport von Hunden betreffen:

  • Ist es draußen wärmer als 30 Grad, dürfen Hunde maximal 4,5 Stunden transportiert werden.
  • Welpen unter 8 Wochen dürfen maximal 100 km weit transportiert werden. Eine Ausnahme ist es, wenn die Mutter dabei ist und sich um die Hundewelpen kümmern kann.


Hundetraining und Hundeausbildung

Vor allem Arbeitshunde, die z. B. bei einigen Behörden wie der Polizei im Einsatz sind, sind von der folgenden Regelung betroffen:

  • Beim Training sowie bei der Erziehung und Ausbildung dürfen Hunde keine Schmerzen erleiden, sei es durch Stachelhalsbänder oder andere schmerzhafte Mittel.

Demnach sind Stachelhalsbänder künftig nicht mehr erlaubt. Teletakter, Elektrohalsbänder oder andere Geräte, die mittels Strom auf Hunde einwirken, um ein bestimmtes Verhalten zu erzielen oder zu unterbinden, sind lt. Tierschutzgesetz §3, Nr. 11 bereits seit 2006 verboten. Erziehungshalsbänder, die mit Hilfe anderer Impulse wie beispielsweise Druckluft, Geräuschen oder Duft arbeiten, bleiben umstritten, da sie die Tiere dauerhaft in einen Stresszustand versetzen könnten. Dieser Stress könnte negativen Einfluss auf ihre Gesundheit nehmen, wenn sie stets mit einem unangenehmen Impuls rechnen müssen. Solche “Erziehungshilfsmittel” werden in der neuen Tierschutz-Hundeverordnung jedoch nicht erwähnt.

Fazit: Viele der Änderungen betreffen private und gewerbsmäßige Züchter sowie die Haltung von Hunden, die beispielsweise in der Landwirtschaft eingesetzt werden oder als Arbeitshunde tätig sind. Mit den neuen gesetzlichen Regeln sollen bessere Voraussetzungen geschaffen werden, um Hunden ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Damit geht natürlich einher, dass Hundehaltern künftig Konsequenzen drohen, wenn ihre Hunde unter unwürdigen Bedingungen gezüchtet oder gehalten werden und sie damit gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Einige weitere Änderungen folgen zum 1. Januar 2023, die beispielsweise die Situation trächtiger Hündinnen bei der Geburt verbessern sollen.

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