Hundetraining und Erziehung: Alleinbleiben

Es hilft nichts, sei es für einen Besuch beim Hausarzt, für den Beruf oder für eine Geburtstagsfeier: Unsere Vierbeiner können nicht überall dabei sein! Obwohl wir als Hundehalter sehr gerne Zeit mit unseren Vierbeinern verbringen, ist es hin und wieder nötig, unsere Lieblinge allein zu lassen. Dies sollte jedoch sorgenfrei möglich sein, sodass weder du, noch dein Liebling darunter leiden muss. Dabei hilft es zu wissen, dass Hunde Rudeltiere sind und sozialen Kontakt sowie ständige Nähe zu ihrer Familie brauchen. Wir erklären dir, wie du Trennungsangst vorbeugst und deinen Hund ans Alleinbleiben gewöhnst, ohne euer vertrautes Zusammenleben zu beeinträchtigen.

Trennungsangst: Das Problem mit dem Alleinbleiben

Egal ob klein oder groß, jung oder alt – dein Hund liebt deine Nähe und möchte möglichst 24 Stunden täglich mit dir verbringen. Einige Hunde verstehen, dass jedes Weggehen vom Hundehalter auch ein Zurückkehren zur Folge hat und beruhigen sich schnell wieder, wenn sie allein sind. Hunde, die hingegen besonders unter Trennungsangst leiden und Angst vor Kontrollverlust haben, zeigen auffällige Verhaltensweisen. Zu den häufigsten zählen:

  • Zerbeißen und Zerstören deiner Möbel und Einrichtung
  • Kratzen und Beißen, z. B. an Zimmertüren und Wänden
  • Jaulen und Bellen

Auch ein stummes Leiden ist nicht unüblich: Weicht dir dein Liebling nach deiner Rückkehr nicht von der Seite und schläft erschöpft ein, sobald er sich vergewissert hast, dass du das Haus nicht wieder verlässt, deutet dies darauf hin, dass er den ganzen Tag unruhig und nervös durch die Wohnung gelaufen ist.

Unser Tipp: Treten Auffälligkeiten im Verhalten deines Lieblings auf, kann es helfen eine Kamera zu installieren und einen Hundetrainer zu Rate zu ziehen. Durch die gute Beobachtungsgabe und vorhandene Fachkenntnisse wird er unterschiedliche Lösungsansätze finden und dich bei der Umsetzung des anstehenden Trainings unterstützen. Um das Wohlbefinden deiner Fellnase zu fördern ist es zudem sinnvoll, wenn du dich bei dem Tierarzt deines Vertrauens über mögliche Präparate zum Stressabbau informierst.

Wie lange kann ich meinen Hund allein lassen?

Vor allem viele berufstätige Hundehalter stellen sich die Frage: Kann ich meinen Hund 8 Stunden allein lassen? Hier lautet die Antwort: Nein, wenige Stunden am Tag kann dein Vierbeiner durchaus so lange allein bleiben, wie ihr geübt habt. Doch nie länger als nötig! Bei regelmäßiger langer Abwesenheit, solltest du dir eine Lösung überlegen, wie dein Hund betreut werden kann.

Hund alleine lassen üben mit 4 Tipps

So gern du dem Bedürfnis deines Vierbeiners nachkommen möchtest, rund um die Uhr bei ihm zu sein, so unmöglich ist es für dich – du musst arbeiten gehen, hast Hobbies und wichtige Termine. Daher erleichtere deinem Liebling die Zeit deiner Abwesenheit und trainiere das Alleinbleiben. Welpen lernen und verstehen das Übungsziel grundsätzlich schneller, dennoch ähnelt das Training dem der erwachsenen Hunde.

Mit diesen 4 Übungen gewöhnst du deine Fellnase ans entspannte Alleinbleiben:

  1. Zimmertür schließen
    Starte mit der ersten Übung innerhalb deiner vier Wände. In diesem Schritt geht es erstmal um das Verständnis, dass du nach jedem Verlassen des Raums und Schließen der Tür wieder zurückkehrst. Gehe dazu aus dem Zimmer und schließe die Tür hinter dir, um bereits nach wenigen Sekunden zurückzukehren. Anders als bei sonstigen Trainingseinheiten, lobst du deinen Hund nicht sondern ignorierst ihn. So lernt er, sich unabhängig von deinem Handeln in seinem Hundebett oder auf dem Lieblingssofa zu entspannen. Mit Lob würdest du ihn aus der Entspannungshaltung wieder herausholen und unterbrichst damit möglicherweise das optimale Training.
  2. Zeitspanne erweitern
    Wenn deine Fellnase den Wechsel deiner An- und Abwesenheit ignoriert und sich stattdessen zurückzieht oder mit seinem Spielzeug beschäftigt, erweiterst du die Dauer deiner Abwesenheit minutenweise. Aber Achtung: Hunde sind schlau und bemerken die kontinuierliche Verlängerung der Zeitspanne. Sobald dein Liebling das Alleinbleiben über 10 Minuten gelassen meistert, beginne deine Abwesenheit im Rahmen von 1-10 Minuten flexibel zu variieren, um so die Gewöhnung an eine stetig wachsende Abwesenheit zu vermeiden.
    Unser Tipp: Erweitere die Zeitspannen bei deinem erwachsenen Hund in kleineren Abständen als es bei Welpen notwendig ist.
  3. Gewohnheiten brechen
    Dein Hund orientiert sich an bestimmten Geräuschen und Gewohnheiten, die auf dein anstehendes Verlassen des Hauses hinweisen. Das Klimpern eines Schlüsselbundes, der Griff zum Jackenhaken oder das Zusammenpacken der Handtasche lassen deinen Liebling hellhörig werden und lösen eventuell Unruhe bei ihm aus. Das kannst du ändern! Durchbreche eine Verknüpfung deiner Gewohnheiten mit der darauf folgenden Abwesenheit: Ziehe dir ab und zu Schuhe im Haus an, nimm deine gepackte Handtasche mit ins Bad oder aufs Sofa, hol’ die Jacke von deiner Garderobe, um sie anschließend über den Esszimmerstuhl zu legen und klimpere mit deinem Schlüsselbund beim Rundgang durch die Wohnung. So verlieren dein Verhalten und die Geräusche nach einiger Zeit den Bezug zur anstehenden Abwesenheit und helfen deinem Hund, gelassen zu bleiben.
  4. Auslastung garantieren
    Einem ausgelasteten Hund fällt es deutlich leichter allein zuhause zu bleiben als einem Hund, der nicht genügend Auslauf und Beschäftigung erhält. Geh’ vor jeder Trainingseinheit zum Alleinbleiben ausgiebig spazieren. Braucht dein Hund nicht nur körperliche, sondern auch geistige Auslastung, verbinde den Spaziergang mit einem Apportiertraining [1] oder Agilitysport. So ist dein Hund im Anschluss ausgepowert und legt sich zufrieden in sein Hundebett.

Unser Tipp: Bei Abwesenheit über einen längeren Zeitraum ist es besonders bei sehr aktiven Hunden sinnvoll, einen Freund, Verwandten oder selbstständigen Dogwalker um eine Gassirunde zu bitten, um deinen Liebling bestmöglich auszulasten.

Hund ans Alleinsein gewöhnen dank der inneren Uhr

Kennst du das auch? Dein Liebling sitzt jeden Abend zur gleichen Zeit vor seinem Napf und wartet ungeduldig auf seine Mahlzeit. Am Mittag läuft er freudig in der Wohnung auf und ab, weil er weiß, dass seine Gassirunde ansteht. Alles deutet darauf hin, dass unsere Fellnasen die Uhr lesen oder zumindest wissen, wann es für bestimmte Abläufe Zeit wird. Dein Hund erkennt selbstverständlich nicht das Zifferblatt der Uhr, vielmehr “riecht er die Zeit”, indem er zwischen neuen und älteren Spuren differenziert und Geruchsinformationen auf diese Weise in einen zeitlichen Zusammenhang bringt.

Dies trifft auch auf deine Abwesenheit zu: Dein Vierbeiner erkennt am sinkenden Geruchslevel, wie lange du bereits weg bist und wann deine Rückkehr erfolgen müsste.

Unser Tipp: Um deinem Hund das Alleinbleiben konsequent und verbindlich zu gestalten, ist es daher sinnvoll, wenn du feste Zeiten einhältst, wann immer es möglich ist.

Hund allein beschäftigen: Spielen statt Jaulen

Musst du deinen Hund allein lassen, solltest du vor allem bei aktiven Vierbeinern für spannende Beschäftigungsmöglichkeiten sorgen. Neben den gewohnten Spielzeugen und Kauknochen deines Lieblings kannst du ihm weitere Möglichkeiten zur Beschäftigung anbieten. Da Schnüffeln und Riechen zu seinen Lieblingsaufgaben zählen, ist hier Top-3 der besten Ideen, die Nase deines Lieblings zu fordern und einen spannenden Zeitvertreib zu schaffen:

  1. Duftspur
    Ziehe in Abwesenheit deines Hundes kräftig riechende Leckerlis über den Fußboden und verstecke sie am Ende der Spur, z. B. unter einem Kissen, einem Becher oder einfach unter einem Schrank bzw. hinter einer Tür. Beginne mit einfachen, geraden Strecken. Wenn dein Vierbeiner die Leckerlis problemlos findet, kannst du die Spuren auch um Ecken und Winkel ziehen und die Leckerlis raumübergreifend verstecken.
  2. Schnüffelteppich
    Möchtest du vermeiden, dass dein Vierbeiner während des Alleinbleibens durch alle Räume läuft oder ihn bewusst nur in einem Raum halten, bietet ein Schnüffelteppich perfekte Beschäftigung. Verstecke hierfür mehrere Leckerlis zwischen den einzelnen Stoffschichten und lege den Teppich kurz bevor du gehst für deinen Liebling bereit.
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    nser Tipp: Wie du schöne Schnüffelteppiche einfach und individuell selbst gestaltest, erfährst du in unserem Beitrag “Schnüffelteppich selber machen”.
  3. Überraschungspaket
    Auch ohne einen Anlass wie Weihnachten, Ostern oder Hundegeburtstag ist ein nett verpacktes Geschenk zum Auspacken für deinen Hund jederzeit ein tolles Highlight. Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: Je nach Schwierigkeitsgrad kannst du einzelne Leckerlis in mehreren Schichten Zeitungspapier einwickeln, sie in Klopapierrollen verstecken oder unterschiedlich große, mit Leckerlis gefüllte Pappkartons ineinander stellen. Für besonders begabte Schnüffelnasen bietet sich auch eine spannende Kombination aller drei Varianten an. Zur Inspiration schaue dir doch einfach mal unsere Beschäftigungsidee "Geschenk auspacken" an.
    Unser Tipp: Ist dein Liebling besonders abhängig von Nähe und Beschäftigung unter menschlicher Anleitung? Dann denke doch einmal über einen Hundesitter nach! Vielleicht bietet sich sogar jemand aus deiner Familie oder dem Freundeskreis an? Als Alternative kannst du auch externe, oftmals fachlich ausgebildete Hundesitter anheuern, die häufig flexible Betreuungsmodelle anbieten.

Fazit: Mit dem richtigen Training und guter Gewöhnung tut das Alleinlassen eurer vertrauensvollen Freundschaft keinen Abbruch. Je nachdem, wie sensibel oder eigenständig dein Hund ist, dauert es möglicherweise etwas länger, ihn an das Alleinbleiben zu gewöhnen. Lass’ dich durch Rückschritte nicht entmutigen, bleib’ geduldig und pass’ dich dem Tempo deines Lieblings an. So werdet ihr die räumliche Trennung gelassen meistern und eure gemeinsame Zeit dafür umso entspannter und ausgelassener genießen können.

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